Gottesdienste im Sepember 2017

Gottesdienst
Sonntag 17. September 2017, 09.30 Uhr
Dorfkirche Waßmannsdorf, Dorfstraße 42, 12529 Schönefeld, Deutschland
Pfarrer Richard Horn

Gottesdienst
Sonntag 17. September 2017, 11.00 Uhr
Dorfkirche Selchow, Alte Selchower Straße 9, 12529 Schönefeld, Deutschland
Pfarrer Richard Horn

Gottesdienst
Sonntag 24. September 2017, 09.30 Uhr
Dorfkirche Kiekebusch, Am Amtsgarten 1, 12529 Schönefeld, Deutschland
Organist Aziz Lewandowski, Pfarrer Richard Horn

Gottesdienst
Sonntag 24. September 2017, 11.00 Uhr
Dorfkirche Brusendorf, Kirchweg, 15749 Mittenwalde, Deutschland
Organist Aziz Lewandowski, Pfarrer Richard Horn

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Was mir fehlte, war eine Berufung…

 

Ich bin von Bischof Martin Kruse zum Pfarrer ordiniert worden. Davor habe sechs Jahre Theologie studiert, zuerst drei Jahre in Berlin an der Kirchlichen Hochschule, dann drei Semester in Tübingen, und dann noch einmal drei Semester hier in Berlin zur Vorbereitung auf das Examen. Danach war ich Vikar in der Kirchengemeinde Lichtenrade und am Lindenthal-Gymnasium in Steglitz.

Als ich mit meinem Studium begonnen habe, war ich mir nicht sicher, ob es für mich richtig ist, Pfarrer zu werden. Meine Interessen lagen damals eher im Bereich der Naturwissenschaften, ich hatte beim Abitur Mathematik und Physik als Leistungskurs gewählt und hatte immer davon geträumt, einmal Physiker zu werden.

Es waren meine Eltern, die mich dann auf die Idee brachten, mit dem Theologiestudium zu beginnen. Zwar fand ich das Studium anregend und interessant, aber ich war mir auch nach dem sechsten Semester noch unsicher, ob ich wirklich eine Gemeinde leiten und in ihr Predigen sollte.

Was mir fehlte, war eine Berufung. Ich wartete habe darauf gewartet, dass Gott mir in irgendeiner Weise mitteilt, dass er diesen Weg für mich ausgesucht hat, dass er mich als Pfarrer in seiner Kirche haben will.

In der Bibel fand ich so viele Geschichten, wie Gott Menschen in seinen Dienst beruft; Geschichten darüber, wie er Moses im brennenden Dornbusch erscheint, wie er Samuel mit hörbarer Stimmer ruft, wie Jesus Petrus und die anderen Jünger beauftragt, wie Paulus vor Damaskus geblendet von seinem Reittier fällt. Propheten wie Jesaja haben sogar geschrieben, dass die den Ruf Gottes fast wie einen Zwang empfunden haben, sie sind krank geworden, als sie sich ihm entziehen wollten.

Alles das hatte ich bis dahin nicht erlebt. Ich wartete auf eine Begegnung, ein Erlebnis, wenigstens einen Traum oder etwas ähnliches, dass mich davon überzeugen könnte, dass ich einen göttlichen Auftrag habe, Pfarrer zu sein.

Um es kurz zu machen: Ich habe nie ein solches Erlebnis gehabt. Kein Licht vom Himmel, kein Engel ist mir erschienen, ich habe nicht erlebt, dass der Geist Gottes wie eine Feuerflamme auf mich herabgeschwebt kam.

Und doch glaube ich, dass ich berufen bin; ich bin überzeugt, dass Gott mich als Verkünder seines Wortes haben will. Bischof Kruse hat damals in dem Ordinationsgottesdienst gesagt, dass die Ordination dem Glauben des Pfarrers helfen kann. Wenn er an sich zweifelt, an seinem Auftrag, an seiner göttlichen Berufung, dann kann er sich jenen Moment vor Augen halten, als ihm vor der versammelten Gemeinde dieses Wort ans Herz gelegt wurde: Siehe, in Zukunft wirst du Menschen fangen…

Bei meiner Ordination habe ich versprochen, das Wort Gottes zu predigen, seine Barmherzigkeit und seine Gnade zu verkünden, so wie es in den Bekenntnisschriften der Kirche steht: Allein durch Christus, allein durch Glauben, allein durch die Gnade Gottes werden wir gerecht.

Macht mich meine Berufung zu einem „besonderen“ Menschen? Nein, nicht im Mindesten. Viele Gemeindeglieder erwarten zwar von ihrem Pfarrer oder von ihrer Pfarrerin Besonderes – besonders fromm, besonders geduldig, besonders gläubig sollte er sein; irgendwie „anders“, auch wenn dieses Anderssein kaum jemals konkret beschrieben wird. Ich kenne viele Pfarrerinnen und Pfarrer und kann ihnen versichern – da „menschelt“ es genau so wie überall. Wir sind kein bisschen „heiliger“ als andere Christenmenschen.

Der einzige Unterschied ist, dass ich frei gestellt bin, zu forschen, zu beten, zu lesen, Theologie zu treiben – und um Seelsorger, zum Lehrer des Wortes Gottes, zum Prediger gewählt wurde.

Aber ich bin es nicht allein: Jedes Gemeindeglied ist dazu berufen, den anderen Vorbild und Lehrer zu sein; sie sind dazu berufen und dazu berechtigt, darüber zu sprechen, was Sie im Glauben als richtig erkannt haben. „Prüft alles, und das Gute behaltet!“ So werden wir von den neutestamentlichen Zeitzeugen aufgefordert – gelten wird nicht das Wort eines Einzelnen, sondern das, was die Gemeinde gemeinsam bekennt.

Gottesdienste im Juli 2017

Goldene Konfirmation
Samstag 1. Juli 2017, 14.00 Uhr

Dorfkirche Brusendorf

Kirchweg, 15749 Mittenwalde, Deutschland

Mitwirkende: Pfarrer Richard Horn

Goldene und Diamantene Konfirmation – vor 50 oder sogar 60 Jahren haben Sie „Ja“ gesagt zu Gott, „Ja“ gesagt zu einem Leben aus dem Glauben. Viele Jahrzehnte lang haben Sie in guten wie in schweren Zeiten die Nähe Gottes und Seinen Segen erfahren: Grund genug, Ihre Dankbarkeit zu zeigen und vor Gott zu jubeln, zu singen und uns gegenseitig zu erzählen, wie große Dinge der HErr an uns getan hat.

 


Gottesdienst
Sonntag 2. Juli 2017, 09.30 Uhr

Dorfkirche Waßmannsdorf

Dorfstraße 42, 12529 Schönefeld, Deutschland

Mitwirkende: Pfarrer Richard Horn

 


Gottesdienst
Sonntag 2. Juli 2017, 11.00 Uhr

Dorfkirche Selchow

Alte Selchower Straße 9, 12529 Schönefeld, Deutschland

Mitwirkende: Pfarrer Richard Horn

 


Gottesdienst zur Eröffnung des Sommerfestes in Rotberg
Samstag 15. Juli 2017, 14.00 Uhr

Dorfkirche Rotberg

Rotberger Dorfstraße, 12529 Schönefeld, Deutschland

Mitwirkende: Pfarrer Richard Horn, Organist Aziz Lewandowski

Sommerfest – Blumen, Sonne, Musik und Tanz, fröhliches Beisammensein – auch im Gottesdienst

 


Gottesdienst
Sonntag 16. Juli 2017, 09.30 Uhr

Dorfkirche Kiekebusch

Am Amtsgarten 1, 12529 Schönefeld, Deutschland

Mitwirkende: Pfarrer Richard Horn, Organist Aziz Lewandowski

 


Gottesdienst
Sonntag 16. Juli 2017, 11.00 Uhr

Dorfkirche Brusendorf

Kirchweg, 15749 Mittenwalde, Deutschland

Mitwirkende: Pfarrer Richard Horn, Organist Aziz Lewandowski

Gottesdienste im Juni 2017

Diamantene Konfirmation
Samstag 17. Juni 2017, 10.00 Uhr

Dorfkirche Waßmannsdorf

Dorfstraße 42, 12529 Schönefeld, Deutschland

Mitwirkende: Pfarrer Johannes Reiff

Diamantene Konfirmation – vor 60 Jahren haben Sie „Ja“ gesagt zu Gott, „Ja“ gesagt zu einem Leben aus dem Glauben. Viele Jahrzehnte lang haben Sie in guten wie in schweren Zeiten die Nähe Gottes und Seinen Segen erfahren: Grund genug, Ihre Dankbarkeit zu zeigen und vor Gott zu jubeln, zu singen und uns gegenseitig zu erzählen, wie große Dinge der HErr an uns getan hat.

 


Gottesdienst mit Taufe
Sonntag 18. Juni 2017, 11.00 Uhr

1. Sonntag nach Trinitatis

Dorfkirche Groß Kienitz

Groß Kienitzer Dorfstraße 14, 15831 Blankenfelde-Mahlow, Deutschland

Mitwirkende: Pastor Wegmann

 


Gottesdienst zur Eröffnung des Sommerfestes in Kiekebusch
Samstag 24. Juni 2017, 14.00 Uhr

Dorfkirche Kiekebusch

Am Amtsgarten 1, 12529 Schönefeld, Deutschland

Mitwirkende: Pfarrer Richard Horn, Organist Aziz Lewandowski

Sommerfest – Blumen, Sonne, Musik und Tanz, fröhliches Beisammensein – auch im Gottesdienst

 


Gottesdienst
Sonntag 25. Juni 2017, 09.30 Uhr

2. Sonntag nach Trinitatis

Dorfkirche Rotberg

Rotberger Dorfstraße, 12529 Schönefeld, Deutschland

Mitwirkende: Pfarrer Richard Horn

 


Gottesdienst
Sonntag 25. Juni 2017, 11.00 Uhr

2. Sonntag nach Trinitatis

Dorfkirche Groß Kienitz

Groß Kienitzer Dorfstraße 14, 15831 Blankenfelde-Mahlow, Deutschland

Mitwirkende: Pfarrer Richard Horn

Gottesdienste im Mai 2017

7. Mai 2017 * Sonntag Jubilate

Wassmannsdorf

  • 9.30 Uhr

Gottesdienst in der Dorfkirche

Selchow

  • 11.00 Uhr

Gottesdienst in der Dorfkirche


21. Mai 2017 * Sonntag Rogate

Rotberg

  • 9.30 Uhr

Gottesdienst in der Dorfkirche

Groß Kienitz

  • 11.00 Uhr

Gottesdienst in der Dorfkirche


28. Mai 2017 * Sonntag Exaudi

Großziethen

  • 10.30 Uhr

Brunch im Gemeindezentrum

anschließend sehen wir gemeinsam auf der Großbildleinwand

den Abschlussgottesdienst des Deutschen Evangelischen Kirchentages

(Live-Übertragung aus der Lutherstadt Wittenberg)

Gottesdienste in der Passionszeit und zum Osterfest – April 2017

2. April 2017 * Sonntag Judika

Kiekebusch

  • 9.30 Uhr

Gottesdienst in der Dorfkirche

Brusendorf

  • 11.00 Uhr

Gottesdienst in der Dorfkirche


9. April 2017 * Sonntag Palmarum

Rotberg

  • 9.30 Uhr

Gottesdienst in der Dorfkirche

Groß Kienitz

  • 11.00 Uhr

Gottesdienst in der Dorfkirche


13. April 2017 * Gründonnerstag

Rotberg

  • 15.00 Uhr

Gottesdienst mit Abendmahl in der Dorfkirche

Groß Kienitz

  • 18.00 Uhr

Gottesdienst mit Abendmahl in der Dorfkirche


14. April 2017 * Karfreitag

Selchow

  • 11.00 Uhr

Gottesdienst mit Abendmahl in der Dorfkirche

Waßmannsdorf

  • 15.00 Uhr

Gottesdienst mit Abendmahl in der Dorfkirche


15. April 2017 * Osternacht

Großziethen

  • 22.00 Uhr

Liturgische Osternachtsfeier

mit der Großziethener Chorwerkstatt

in der Dorfkirche


17. April 2017 * Ostermontag

Schönefeld

  • 9.30 Uhr

Regionaler Oster-Gottesdienst in der Dorfkirche

für alle Gemeinden im Sprengel

Andachten in der Passionszeit 2017

Andachten und Gottesdienste in der Passionszeit 2017

für die Gemeinden in Schönefeld, Großziethen und rund um den Flughafen


Dienstag – 7. März 2017 – 18.15 Uhr – Kirche Großziethen

Passionsandacht

Prediger 3, 1-4: Alles hat seine Zeit…


Dienstag – 14. März 2017 – 18.15 Uhr – Kirche Großziethen

Passionsandacht

Matthäus 1, 18-24: Geboren werden hat seine Zeit…


Dienstag – 21. März 2017 – 18.15 Uhr – Kirche Großziethen

Passionsandacht

Lukas 10, 38-42: Schweigen hat seine Zeit…


Dienstag – 28. März 2017 – 18.15 Uhr – Kirche Großziethen

Passionsandacht

Matthäus 20, 16: Lieben hat seine Zeit…


Dienstag – 4. April 2017 – 18.15 Uhr – Kirche Großziethen

Passionsandacht

Epheserbrief 4, 26: Reden hat seine Zeit…


Dienstag – 11. April 2017 – 18.15 Uhr – Kirche Großziethen

Passionsandacht

Lukas 13, 6-9: Pflanzen hat seine Zeit…


Donnerstag – 13. April 2017 – 18.00 Uhr – Kirche Großziethen

Gottesdienst
mit Abendmahl zum Gründonnerstag

1.  Moses 2, 1-4: Er hat auch die Ewigkeit in ihr Herz gelegt…

Jeweils anschließend an die Passionsandacht trifft sich die „Fastengruppe
zum Erfahrungsaustausch in Küsters Scheune direkt neben der Dorfkirche Großziethen

Ansprechpartner: Pfr. Richard Horn – Mob.: 0179 186 41 69

Aschermittwoch – der Blinde von Jericho

Es beginnt wie einem Film. Die Sonne brennt herab auf eine staubige Straße. Sie führt durch das kleine Dorf und dann weiter durch eine Reihe anderer kleiner Dörfer bis zur Hauptstadt Jerusalem. Die Straße ist menschenleer. Nur ein Bettler sitzt im Schatten einer kleinen, zerbröckelnden Mauer; seine blinden Augen sehen ins Nichts. Mit ein paar schwarzen Fetzen hat er sich notdürftig bedeckt. Fliegen summen um ihn herum, ab und zu muss er eine besonders Freche von seiner Nase wischen. Sonst ist alles still. Sogar die Zikaden sind müde.

Später bellt ein Hund, ein Esel schreit, weit weg auf der Straße kommt eine Gruppe von Wanderern auf das Dorf zu. Mit den scharfen Ohren des Blinden hört er die vielen Schritte schon lange, bevor sie dem Hund auffallen. Aus einem der Häuser des Dorfes tritt ein Mann, der Blinde kennt seinen Schritt: „Amos, wer kommt?“ fragt er. „Keine Ahnung,“ knurrt der Mann, der sich die Hand an die Stirn hält, um in der gleißenden Sonne besser sehen zu können, „aber es sind viele.“ Die beiden Männer warten. Sie haben Zeit.

Nach eine Weile wischt sich Amos den Schweiß aus der Stirn. „Es ist dieser Wanderprediger, glaub ich…“ sagt er dann. „Jehoschua, aus Nazareth. Früher war er Zimmermann. Guter Mann. Machte ordentliche Arbeit. Aber dann ist er irgendwann durchgedreht und glaubt nun, Gott selber hätte ihn zum Prediger berufen. Ich habe gehört, dass er sich hier in der Gegend herumtreibt…“ „Jesus?“ sagt der Blinde. Nach einer Weile knurrt der andere: „Ja, der ist es. Ich erkenne ihn jetzt; es ist dieser Wunder-Rabbi aus Nazareth. Und dazu ein ganzer Haufen Leute um ihn herum…“
„Hol ihn her!“ sagt der Blinde. – „Was? Was willst Du von dem?“ – „Vielleicht kann er mich gesund machen.“ – „Der?“ Amos schnaubt verächtlich. „Eher werden die blöden Fliegen auf deiner Glatze dich heilen. Das ist doch ein Schwätzer, wie alle anderen auch.“ Brüsk dreht Amos sich um, geht ins Haus und knallt die Tür hinter sich zu. Sein Vater hatte einmal die Tempelsteuer nicht bezahlen können, da hatten sie ihn in den Turm von Jerusalem gesperrt, und seitdem wollte Amos von den Frommen nichts mehr wissen.

Der Blinde wartet. Als er die Schritte näher kommen hört, ruft er: „Jesus, erbarme Dich über mich!“ Die alten Worte, die Bettler seit Jahrhunderten rufen: „Erbarmen! Gnade!“ Wie oft werden diese Bitten überhört! „Jesus, Sohn Davids, höre mich an!“ Die Schritte gehen vorbei. Andere Menschen kommen und gehen, und der Blinde ruft lauter: „Jesus! Erbarmen! Höre!“  Unfreundliches Gemurmel ist die Antwort. „Sei still! Stör ihn nicht…“ zischelt es um den Blinden herum. „Wo kommen wir denn da hin…“ – „Jetzt will schon dieses blinde Geschmeiß…“ – „Was bildet der sich ein?“

Der Blinde hört nicht hin, diese Worte kennt er, er hat sie sein ganzes Leben lang immer wieder gehört. So laut er kann, schreit er jetzt: „Jesus, höre, erbarme dich! Gnade, Sohn Davids!“ Zwei Füße treten mit müdem Schritt vor ihn hin, bleiben vor ihm stehen. Er hört einen Menschen atmen. Er riecht den Gestank eines Körpers, der schon Stunden unter der Wüstensonne schwitzt. Er hört ein weites Gewand rascheln, wie es die Beduinen tragen.

Der Fremde, Jesus, spricht zu ihm: „Was soll ich für dich tun? Was willst du?“ Der Blinde hört, wie die Menschen um ihn herum auf einmal still werden. Gespanntes Warten. Neugier. Auf einmal wird er unsicher.

Was soll er sagen? Es ist fast wie in einem Märchen: Die gute Fee sagt ihm: Einen Wunsch hast Du frei… Sag nur, was du willst… Alles – ALLES ist möglich… Was hätte ich gesagt?

Soll er sagen: „Gib mir zu essen! Gib mir Geld!“? Hofft er, durch Jesus irgendwie von Gott ernährt und versorgt zu werden? Fern liegt das nicht: Er kann ja nicht arbeiten, der Blinde, er ist sein Leben lang auf die Barmherzigkeit seiner Mitmenschen angewiesen. Will er, dass sich das ändert? Dass er frei und selbstständig sein kann? Ernährt durch seiner eigenen Hände Arbeit? Will er eine Art Wunder von Jesus? Vorstellbar, glaubwürdig wäre das. Aber er erwartet noch viel mehr, eigentlich ganz anderes von ihm…

Soll er sagen: „Nimm mich mit! Hol mich heraus aus diesem gottverlassenen Dorf, in dem es keine Zukunft gibt, für mich nicht, für Amos nicht, für niemanden…“ Ein Dorf, in dem die Zeit stehen geblieben ist? Ein Ort, an dem sich seit Jahrzehnten nichts mehr entwickelt hat, das wie in einem tiefen Schlaf liegt? Wäre es nicht erstrebenswert, ein solches Kaff verlassen zu können?

Aber was sollte – auf der anderen Seite – jemand wie Jesus mit einem blinden Taugenichts wie ihm anfangen? Wird ihn ein Blinder nicht nur behindern auf seinen Wanderungen? Ein Mann, der weder mit der Wüste noch mit dem Meer Erfahrungen gemacht hat? Jemand, der noch nie gewandert ist, der geführt werden muss, sobald er die vertrauten Mauern des eigenen Dorfes verlassen hat?

In der Bibel steht, dass er sagt: „Rabbi, ich will, dass ich SEHEN kann!“ Mir kommt auch diese Antwort unwahrscheinlich vor. Es ist die Bitte, die ein Sehender äußern würde. Also – jemand, der wenigstens irgendwann einmal sehen konnte. Für einen Menschen, der sieht, ist die Vorstellung, blind zu werden, eines der schlimmsten Schicksale, die er sich denken kann.

Aber jemand, der von Geburt an blind war, der weiß, dass andere Sinne stellvertretend eintreten, wo die Augen fehlen. Durch das Gehör, durch den Tastsinn, sogar durch unterschiedliche Gerüche kann sich ein Blinder orientieren, durch sie hat er Zugang zu Informationen über seine Umwelt, die einem Sehenden verschlossen bleiben. Ein Blinder ist nicht „behindert“, nur „anders“. Er ist nicht beschränkter oder begrenzter als andere Menschen, aber er hat eine andere „Sicht“ der Welt und ein anderes inneres „Bild“ von dem, was ihn umgibt. Das nimmt ihm einiges von dem, was Sehenden selbstverständlich ist, aber es eröffnet ihm auch Möglichkeiten, von denen Sehende nur träumen können.

Darum halte ich es für unwahrscheinlich, dass der Blinde diesen Wunsch geäußert hat. In der Bibel wird erzählt, dass er nach der Begegnung mit Jesus sehen kann. Aber was eigentlich geschehen ist: Er – der ohne Hoffnung war – glaubt wieder an seine Zukunft, an eine Bestimmung, daran, dass sein Leben Sinn und Ziel hat; er kann wieder glauben, ein wertvoller Mensch zu sein – ein Mensch, den Gott gebrauchen kann und wird. Er kann sein eigenes Leben wieder wahrnehmen – dafür hat Jesus ihm die Augen geöffnet.

„Burn out“ heißt heute die Diagnose, wenn ein Mensch sich über dem alltäglichen Kampf selbst vergessen hat, wenn er kein Gefühl mehr hat für das, was er braucht, was er will, was ihm gut tut. Depression ist eine Krankheit, die einem Menschen den Kontakt zu sich selbst nimmt; er „funktioniert“ nur noch, ohne zu wissen, was er eigentlich tut; er „reagiert“ nur noch, ohne beurteilen zu können, ob seine Reaktionen überhaupt sinnvoll und angemessen sind. Solche Blindheit für die eigenen Bedürfnisse, für die eigenen Wünsche, Hoffnungen und Gefühle trocknet einen Menschen auf Dauer innerlich aus.

Sich selbst wieder „sehen“ zu lernen ist, was Depressiven helfen kann. Das ist aber oft ein langer und nicht ungefährlicher Prozess, denn sie müssen sich sozusagen selbst erst wieder kennen lernen, sich hinein fühlen in die eigene Persönlichkeit; lernen, dem eigenen Urteil zu vertrauen und an sich selbst und die eigenen Möglichkeiten zu GLAUBEN. In einem gewissen Sinn müssen sie auch wieder lernen, an GOTT zu glauben.

Von dem Blinden wird erzählt, dass er nach seiner Heilung das Dorf verlässt, dass er mit Jesus geht und einer seiner Jünger wird, einer seiner Schüler. Er macht sich mit ihm auf den Weg aus dem engen Gehäuse seines Alltags heraus in einen weiten Raum, dessen Grenzen er nicht kennt. Mut, Vertrauen, Leidenschaft und Lebenskraft – das ist, was Jesus dem blinden Mann zurück gegeben hat. Ein Wunder, ja. Durch den Glauben des Blinden konnte Jesus ihm seine Augen öffnen für seine eigene Kraft.

Heute beginnt die Fastenzeit, vierzig Tage, in denen Christen sich wieder besonders auf die Begegnung mit Gott vorbereiten. Eine Zeit, in der sie sich eine Veränderung ihrer Lebenshaltung zumuten. Buße tun – so hat man es früher genannt. Maßstäbe verändern und andere Werte setzen – so würde man vielleicht heute reden. Wieder ernst nehmen, was man sonst unter der Rubrik „Man müsste doch mal wieder…“ unterbringt und dann verdrängt. Bewusst leben! Eine Zeit für die Christen, in der ihnen vielleicht die Augen geöffnet werden und sie erfahren, dass Gott ihnen sehr viel näher ist, als sie bisher dachten…

Irgendwann kommt Amos wieder aus seinem Haus, um nach dem Blinden zu sehen. Aber er ist nicht mehr da. Die laute Wandergruppe ist vorbei gezogen. Und der Platz im Schatten, wo bisher tagein, tagaus der Blinde auf ein Almosen wartete, ist nun leer. Mitleid und Hilfe braucht der nun nicht mehr. Sein Leben hat sich gewandelt…
Amos schüttelt nur den Kopf. Er geht zurück in sein Haus und zieht die Tür langsam hinter sich zu.

Gottesdienste Januar bis März 2017

Termine der Gottesdienste
im Sprengel Selchow

 
Dorfkirche Brusendorf

Sonntag, 08. Januar – 11.00 Uhr
Gottesdienst in der Dorfkirche

Sonntag, 26. Februar – 11.00 Uhr
Gottesdienst in der Dorfkirche

Dorfkirche Groß Kienitz

Sonntag, 22. Januar – 11.00 Uhr
Gottesdienst in der Dorfkirche

Sonntag, 12. März – 11.00 Uhr
Gottesdienst in der Dorfkirche

Dorfkirche Kiekebusch

Sonntag, 08. Januar – 9.30 Uhr
Gottesdienst in der Dorfkirche

Sonntag, 26. Februar – 9.30 Uhr
Gottesdienst in der Dorfkirche

Dorfkirche Rotberg

Sonntag, 22. Januar – 9.30 Uhr
Gottesdienst in der Dorfkirche

Sonntag, 12. März – 9.30 Uhr
Gottesdienst in der Dorfkirche

Dorfkirche Selchow

Sonntag, 5. Februar – 11.00 Uhr
Gottesdienst in der Dorfkirche

Sonntag, 26. März – 11.00 Uhr
Gottesdienst in der Dorfkirche

Dorfkirche Waßmannsdorf

Sonntag, 5. Februar – 9.30 Uhr
Gottesdienst in der Dorfkirche

Sonntag, 26. März – 9.30 Uhr
Gottesdienst in der Dorfkirche

Regionale Gottesdienste

Sonntag, 12. Februar – 9.30 Uhr
Kirchentagsgottesdienst
in der Dorfkirche Schönefeld

Aschermittwoch, 1. März – 18.30 Uhr
Bußgottesdienst in der Dorfkirche
Großziethen

Sonntag, 5 März – 11.00 Uhr
Regionalgottesdienst
zum Auftakt der Bibelwoche
in der Dorfkirche Schönefeld

Monatsspruch Januar 2017
Auf dein Wort
will ich die Netze auswerfen.

Lukas 5, 5 (L)
Monatsspruch Februar 2017
Wenn ihr in ein Haus kommt,
so sagt als erstes:
Friede diesem Haus!

Lukas 10, 5 (E)

Gott gibt ein neues Herz und einen frischen Geist… (Jahreslosung 2017)

Liebe Gemeindeglieder und Freunde
in den Gemeinden rund um den Flughafen!

Mir ist aufgefallen, dass viele Menschen sehr an ihrer Vergangenheit hängen. Sie orientieren sich an Bekanntem und haben Angst vor jeder Veränderung. Was sie schon kennen, was ihnen vertraut ist, das lieben sie. Es gibt ihnen Sicherheit. Es hilft ihnen, sich wohl zu fühlen.

Das Vertraute, so glauben sie, gibt ihnen den lebendigen Boden, in dem sie verwurzelt sind, den geschützten Raum, in dem sie ihre Lebens-geschichte ausbreiten konnten, die offene Freiheit, in der Traditionen und liebe Gewohnheiten sich entfalten und wachsen können.

Aber diese Liebe zu ihrer Vergangenheit engt sie auch ein. Sie fürchten sich, einmal einen neuen Weg zu gehen, eine unbekannte Tür zu öffnen, sich auf Menschen ein zu lassen, die sie nicht schon lange kennen. Sie haben Angst, ihre „Wohlfühlzone“ zu verlassen und ein Risiko einzugehen, weil sie nicht wissen können, wie sehr ein solches Abenteuer sie verändern könnte, welche Auswirkungen es auf ihr Leben haben könnte.

Andererseits habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass gerade aus dem traditionellen, fest gegründeten Glauben unserer Mütter und Väter die Kraft kommt, die Menschen brauchen, um in diesem Leben bestehen zu können.

Wo nichts mehr sicher zu sein scheint, ist es gut, sich an Wahrheiten zu binden, die nicht nur vom Verstand, von der Einsicht und von der Übereinkunft der jetzt lebenden Menschen allein abhängen, sondern die durch viele Generationen überprüft und bestätigt sind.

Es waren unsere Vorfahren, die gesungen und gebetet haben: „Jesus Christus ist derselbe, gestern, heute und in Ewigkeit.“ – „Gott ist mein Helfer. / Ich fürchte mich nicht. / Was können mir Menschen tun?“

Wer solche Lieder singen kann, wer in solche Glaubensbekenntnisse mit einstimmen kann, der wird von einem Glauben getragen, der größer ist als ein einzelnes Herz.

Das Volk Israel, von dem wir in den Büchern des Mose lesen, hat sich aufgemacht und ist durch die Wüste gezogen. Sie waren als „wanderndes Gottesvolk“ das Urbild der glaubenden Gemeinschaften zu allen Zeiten: Nicht in einem fest gegründeten Haus ist Gott zu finden, sondern in einem leichten Zelt, das bald hier und bald dort stehen kann, wie es dem Willen, ja sogar der Natur Gottes entspricht. Denn er ist der Gott, der unterwegs ist, der Gott, der mit geht; so hat er sich dem Mose am „brennenden Dornbusch“ gezeigt.

Die Möglichkeiten, ja, die Notwendigkeit der Entwicklung haben die „Gründerväter“ der Kirche mit in ihre Wiege gelegt: Die Kirche muss sich immer verändern, sie ist immer eine, die reformiert werden muss. Denn Gott bleibt nicht stehen, und die Situation der Menschen verändert sich stetig.

Das Neue ist nicht immer automatisch das Bessere, das ist wohl wahr; aber eine Kirche, die gewissermaßen eingefroren ist, die nicht mehr beweglich ist, wäre – sollte es so etwas überhaupt geben – wäre unfähig, ihren Auftrag zu erfüllen; sie würde in kurzer Zeit sowohl Gott als auch die Menschen aus dem Blick verlieren und sich in bloßer – sinnloser – Rechtgläubigkeit erschöpfen.

Wenn die Kirche aber nicht mehr dient, dient sie zu nichts…“ hat einer ihrer klugen Denker einmal gesagt, und das ist wahr. Beten und arbeiten gehört zusammen, orare und laborare, und wenn eines von diesen Beiden fehlt, gerät das Volk Gottes vom Weg ab.

Kirche muss Kirche bleiben; das heißt: Sie muss auf der einen Seite in Gott verwurzelt sein, denn aus dem Glauben an ihn zieht sie Saft und Kraft; aber sie muss sich den Menschen zuwenden, denn ohne den Kontakt zu den Einzelnen als auch in die Gesellschaft hinein bleibt sie wirkungslos und macht sich zuletzt überflüssig.

Wir wollen den ererbten, vertrauensvollen Glauben unserer Eltern in diesen Tagen neu mit Inhalt füllen und daraus leben, ihn so als einen vorbildhaften Lebensstil an eine kommende Generation weiter geben. Wir verstehen das im Sinne von „fit werden für eine veränderte Zeit“. Es ist wichtig, sich glaubend den Herausforderungen der Zukunft zu stellen, damit der Glaube wirksam und lebendig bleibt.

Auf das Vertrauen auf Gott, auf die Möglichkeit eines Lebens ohne Angst kommt es mir an. Diese Freiheit kann kein Mensch sich selbst schaffen.

Wo der Mensch nur seine Speicher mit Weizen füllt und seine Konten mit Geld, seine Festplatten mit Daten und seine Archive mit den Beweisen vergangener Herrlichkeit, da geht Freiheit im Gegenteil auf Dauer zugrunde. An einem Tag wird er noch sagen: „Jetzt hast du vorgesorgt für viele Jahre, iß und trink und lass es dir gut gehen!“, doch schon am nächsten Tag kann ihm alles unter den Fingern zerrinnen. „Heute noch wird man deine Seele von dir fordern“, heißt es im Gleichnis, „wem wird dann nützen, was du aufgehäuft hast?“

Gott ist es, der ein neues Herz und einen neuen Geist in die Menschen legt, die an ihn glauben. Zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Karfreitag und Ostern, zwischen Zeit und Ewigkeit spannt er die Brücke, auf der wir leben.

Ihr  Richard Horn, Pfr.