Unsere Gottesdienste im Juli 2018

Sonntag, 1. Juli 2018

9:30 Uhr: Gottesdienst in Groß Kienitz

11:00 Uhr: Gottesdienst in Rotberg

Sonntag, 8. Juli 2018

9:30 Uhr: Abendmahlsgottesdienst in Schönefeld

11:00 Uhr: Abendmahlsgottesdienst in Großziethen

Sonntag, 15. Juli 2018

9:30 Uhr: Gottesdienst in Schönefeld

11:00 Uhr: Gottesdienst in Großziethen

Samstag, 21. Juli 2018

18:00 Uhr: Abendmahlsgottesdienst in Selchow

Sonntag, 22. Juli 2018

9:30 Uhr: Gottesdienst in Schönefeld

11:00 Uhr: Gottesdienst in Großziethen

Samstag, 28. Juli 2018

18:00 Uhr: Abendmahlsgottesdienst in Waßmannsdorf

Sonntag, 29. Juli 2018

9:30 Uhr: Gottesdienst in Schönefeld

11:00 Uhr: Gottesdienst in Großziethen

 

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Taufen? Wieso eigentlich nicht?

Der Predigttext von vergangenen Sonntag hat mich sehr nachdenklich gemacht, und viele Ideen habe ich in meiner Predigt nicht unterbringen können. Darum will ich für Euch hier ein bisschen davon schreiben.

Es ging um die Begegnung des äthiopischen „Kämmerers“ der Königin Kandake mit dem Apostel Philippus (Apostelgeschichte 8). Was Luther etwas verschämt mit „Kämmerer“ übersetzt und in manchen Bibeln auch „Schatzmeister“ heißt, bedeutet eigentlich „Haremswächter“. „Er stand ihrem ganzen Hause vor“ heißt es in der Apostelgeschichte, und das bedeute wohl, dass er der „Chef“, der Sklavinnen, Dienerinnen und Hofdamen der Königin war. Er war also ein Eunuch, und genau das steht auch im griechischen Urtext des Neuen Testaments.

Ein Eunuch zu sein, also künstlich unfruchtbar gemacht zu werden, bedeutete damals zweierlei – erstens standen Eunuchen bestimmte „Berufssparten“ offen, die sonst niemand ausüben durfte – zum Beispiel eben Haremswächter, aber auch bestimmte Posten in der Regierung, in der Priesterschaft und bei den Soldaten waren Eunuchen vorbehalten. Trotzdem standen sie nicht unbedingt hoch in der allgemeinen gesellschaftlichen Achtung, von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen. (Das kann man alles bei Wikipädia nachlesen; für mich ist das Online-Lexikon inzwischen ein wichtiges Hilfsmittel bei der Predigtvorbereitung geworden…)

Warum dieser Äthiopier nach Israel kam, warum er den Tempel in Jerusalem besuchen wollte, steht nicht in der Bibel. Vielleicht war er Jude und wollte einmal das Land seiner Väter besuchen; vielleicht hatte er von dem Gott der Juden gehört und war neugierig geworden, keine Ahnung. Als „Verschnittener“, also unfruchtbar gemachter Mann durfte er aber den Tempel nicht betreten. Schon vor dem ersten „Vorhof der Heiden“ wird man ihn aufgehalten haben: „Du darfst hier nicht hinein!“

Diese kleine Erzählung aus der Apostelgeschichte handelt von Grenzen. Der Äthiopier kannte sich mit Grenzen aus. Als oberer Wächter des Harems war es sein Beruf, dafür zu sorgen, dass Grenzen eingehalten werden. Um das Harem zu schützen, musste auf das Genaueste unterschieden werden zwischen denen, die draußen zu bleiben hatten und denen, die Zutritt in die inneren Gemächer hatten. „Du darfst hier nicht hinein!“ – diesen Satz hatte er bestimmt selbst schon unzählige Male gesagt und damit Hoffnungen enttäuscht und in das Leben anderer Menschen eingegriffen.

Nun traf es ihn selbst. Wieder einmal. Trotz seiner hohen Stellung hatte er sicher schon oft erlebt, dass er „anders“ war und bei seinen Mitmenschen auf Vorurteile, Missachtung und Ablehnung gestossen war. Ich weiß nichts über die Sexualität kastrierter Menschen, aber ich vermute, dass auch sie Sehnsucht, Leidenschaft und Begierde kennen, ganz abgesehen von dem Wunsch, selbst auch begehrt, anerkannt und geliebt zu werden. Aber immer stand da vor ihm, dass da vor ihm eben nichts mehr war…

In Jerusalem kaufte der Eunuch sich eine Schriftrolle mit den Worten des Propheten Jesaja. Wenigstens eine Erinnerung an diese scheinbar fruchtlose Reise wollte er mit sich nach Hause nehmen, ein Andenken an die ferne Stadt, das ihn hineinschnuppern ließ in die ihm so fremde Religion und in diesen Glauben an den unsichtbaren Gott, so schrecklich und so faszinierend…

Und dann machte er sich wieder auf den Weg nach Hause, auf einem Reisewagen, der über die staubige, leere Straße durch die Wüste im Süden Israels rumpelte. Dort las er die verwirrenden Worte, die der Prophet Jesaja vor einem halben Jahrtausend aufgeschrieben hatte.

Was ist das für ein Gott, der die Entfernung zu den Menschen, zu seinen Geschöpfen aufhebt und sich ihnen gleich macht, der aber dennoch ihr Leiden nicht verhindert? Was ist das für ein Glaube, der die Nähe Gottes sucht, obwohl er dem Menschen gegenüber anscheinend so feindlich eingestellt ist? Welcher Prophet gibt sich her als Sprachrohr Gottes und schreibt dann „Er ist wie ein Schaf, das geschlachtet wird, und tut dabei seinen Mund nicht auf und stößt keinen Laut der Klage aus…“?

„Verstehst Du denn, was Du da liest?“ Ein Fremder spricht den Äthiopier an, der nach der damaligen Gewohnheit die Worte des Propheten laut für sich vorgelesen hat. „Begreifst Du nur ein einziges Wort davon?“ – „Wie könnte ich!“ antwortet der Reisende, „es erklärt mir ja niemand etwas! Ich weiß nicht einmal, ob der Prophet hier von sich selbst spricht oder ob er jemanden anders meint.“

Da setzt sich der fremde Jude, Philippus heißt er, zu ihm auf den klapperigen Wagen. Keine Spur von Berührungsangst, kein zögernder Blick und auch nicht dieses schlecht verborgene Lächeln sieht der Äthiopier an seinem Gast. Es ist, als ob es hier keine Grenze gibt – ganz selbstverständlich fängt der Fremde an zu reden, von Jesus, von dem manche glauben, er sei der Messias, der König der letzten Zeit. Zuerst haben viele gehofft, in ihm würden sich die alten Prophezeihungen erfüllen, aber dann wurde er hingerichtet und starb am Kreuz. Um der Liebe Gottes Willen hat er das Leid der Menschen und den Tod auf sich genommen. Er war ein Aussenseiter und wurde wie ein Verbrecher getötet. Aber in Jerusalem gab es seit einigen Wochen Leute, die behaupten, er sei von den Toten auferstanden.

Philippus spricht von der Liebe Gottes, die grenzenlos ist, die keinen Unterschied macht zwischen Ausländern und Juden, zwischen Sklaven und Freien, Reichen und Armen, Männern und Frauen, bei dem sicher auch Unfruchtbare und unfruchtbar Gemachte zugelassen sind, denn worauf es ankommt, ist Vertrauen auf die Liebe Gottes. Vertrauen, dass die Freiheit nicht wieder einengt, Liebe, die auch das Fremde nicht hasst; ein Glaube, der nicht den Gott eines einzigen Volkes anbetet, sondern der die Grenzen sprengt und nicht unrein nennt, was Gott geheiligt hat.

Und während sie so reden, entdeckt der Äthiopier eine kleine Oase am Rand des Weges, ein paar Palmen, ein paar ärmliche Hütten, ein paar Esel und Kamele, die um einen kleinen Brunnen herum stehen und gierig trinken.

„Da ist Wasser. Spricht denn irgendetwas dagegen, dass ich mich taufen lasse?“

Philippus versteht die Frage des Äthiopiers. Sie ist wie ein Test: „Meinst Du das ernst, was Du da geredet hast? Gibt es wirklich keine Grenzen bei euch Jüngern des Jesus? Oder wirst Du jetzt die Mauern wieder aufrichten, die ich in Jeruselem um mich spürte?“

Was spricht dagegen, dass ich getauft werde?

Ich muss kurz aus dieser Geschichte heraus springen, denn mir kommen hier zwei aktuelle Streitfragen in den Sinn:

In den letzten Jahren wollten sich in manchen Berliner Gemeinden viele Ausländerinnen und Ausländer taufen lassen. Flüchtlinge aus Afghanistan, aus Syrien, aus Eriträa und anderen afrikanischen Staaten. Während manche Pfarrer sie getauft haben, Menschen, die bisher Moslems waren, wurde in anderen christlichen Gemeinden kritisch gefragt: Was, wenn diese sich nur taufen lassen, um eine größere Chance zu haben, nicht abgeschoben zu werden? Weil sie so hoffen können, nicht zurück zu müssen in ein Land, in dem sie arm sind und hungern müssen, in dem sie der Willkür der Obrigkeit ausgeliefert sind, in dem sie aus politischen Gründen oder auch „einfach“ so verfolgt, gequält und misshandelt werden? Und nun wahrscheinlich auch noch aus religiösen Gründen, weil sie sich öffentlich zum Christentum bekannt haben?

Was, wenn diese nicht wirklich glauben, sondern aus völlig „sachfremden“ Gründen die Taufe begehren? Müsste man diesen Menschen nicht die Taufe verweigern, schon aus Respekt und Achtung dem eigenen Sakrament und Ritus gegenüber?

Man kann doch die Taufe und auch das Abendmahl nicht billig verschleudern und es einfach an jede und jeden weitergeben, ohne zu fragen: „Glaubst Du? Widersagst Du dem Irrglauben? Willst Du Dich zur Gemeinde halten?“

Andererseits werden fast überall in der Kirche auch andere Menschen aus anderen „sachfremden“ Gründen getauft, zum Beispiel, weil sie gern als Pflegerin oder Pfleger, als Erzieherin oder Erzieher arbeiten wollen und darum Mitglied der Kirche sein müssen. So manch Bewerber sagt dann: Okay, wenn die Kirchenmitgliedschaft eine Einstellungsvoraussetzung ist, dann lasse ich mich eben taufen…“ Und manchmal sagt er dazu „… in Gottes Namen.“

Gerade letzte Woche geisterte es durch das Internet, dass ein Priester einem Kind die Taufe nicht spenden wollte, weil die Personen, die ihn erziehen, zwei lesbische Frauen sind. Wie können solche Menschen einem Kind der kirchlichen Regel entsprechend den christlichen Glauben weiter geben? Ist es nicht richtig, ja geradezu nötig, im Zusammenhang mit der Taufe nach moralischen Grundregeln zu fragen und Menschen, die „in Sünde leben“ vom heiligen Sakrament auszuschließen?

Wer solche Fragen stellt, versteht die Frage des Äthiopiers als eine Frage nach Grenzen, nach verschlossenen Türen, nach Gründen, etwas Lebensnotwendiges zu verweigern. Wer solche Fragen stellt, macht sich in gewisser Weise zum „Haremswächter“, indem er das Innere Heiligtum der Christenheit zu bewahren versucht.

Und gerade, indem er es so begrenzt und einschließt, vernichtet er es. Das ist meine feste Überzeugung. Ein lebendiger Organismus braucht eine Grenze, ja. Er braucht eine Hülle, eine Haut oder ein Fell, wenigstens eine Membran, die seinen Körper begrenzt, definiert. Jeder Organismus hat eine Grenze nach außen, die klar macht – was innen ist, gehört dazu, was draußen ist, gehört nicht dazu.

Aber diese Grenzen müssen durchlässig sein. Der menschliche Körper atmet durch die Haut, schwitzt durch die Haut, gibt Wärme ab; und gleichzeit nimmt er Wärme und Licht auf durch seine Haut, verbindet sich mit der Umwelt und wird ein Teil davon. Eine Haut, die undurchlässig und dicht wäre, würde in kürzester Zeit nur noch einen toten Körper umhüllen.

Das gilt für Menschen, Tiere und Pflanzen, für alle lebendigen Wesen. Das gilt auch für Dörfer, Städte, Länder und Kommunen, auch für ganze Staaten. Wenn die Grenzen dicht gemacht werden, wenn sich das Leben dem Austausch und dem Kommen und Gehen entzieht, wird es in kurzer Zeit sterben. Und das gilt auch für die Kirche, für den Leib Christi!

Die Taufe ist in gewisser Weise die „Haut“ der Kirche. Schon in der Bibel heißt es: „Wer glaubt und getauft wird, der wird selig werden.“ In alten Kirchen steht das Taufbecken oft am Eingang der Kirche, manchmal sogar in einer eingens für Taufgottesdienste vorgesehenen Seitenkapelle, in einem Baptisterium. So wird sinnenfällig – geradezu symbolisch – erfahrbar: Wer in die Kirche hinein möchte, wird getauft. Wer getauft ist, gehört dazu.

Aber was braucht man nun, um getauft zu werden, um in die Kirche aufgenommen zu werden? Den Glauben. Und sonst nichts. Den Glauben an die Liebe Gottes, der Menschen mit offenen Armen aufnimmt. Dessen Gnade allen menschlichen Leistungen vorangeht und trotz aller Schuld gilt. Das Vertrauen auf Gott, das oft genug nur klein beginnt, zweifelt und wankt, und dennoch reicht, um sich auf den Weg zu machen und ihm zu begegnen, und sei es in der Gestalt eines Philippus.

Wer hier andere Grenzen aufrichtet, verwandelt die durchlässige Haut der Kirche in ein einengendes, erstickendes, unbewegliches Gehäuse, das über die Zeit den Tod bringen wird. Eine solche Kirche vergisst die Liebe Gottes, verweigert sich der Bewegung, die Christus ihnen vorgelebt hat, verschließt sich dem Geist, den Gott über sie und in sie ausgegossen hat.

Den Glauben braucht man. Der Äthiopier spricht nicht einmal ein Glaubensbekenntnis, verpflichtet sich anscheinend zu nichts, bringt keine Paten und keine Taufzeugen mit. Philippus glaubt ihm auch so, dass er es ernst meint mit seiner Frage. „Was hindert es denn, dass ich getauft werde?“

Und so selbstverständlich, wie Philippus auf den Wagen des Ausländers mit der offensichtlich seltsamen Sexualität geklettert ist, so selbstverständlich steigt er nun mit ihm in diesen kleinen offenen Brunnen, aus dem die Tiere trinken und die beiden mit großen Augen ansehen: Ich taufe dich im Namen des Vaters, der Himmel und Erde gemacht hat; und im Namen des Sohnes, der gestorben ist und auferstanden um uns und um alle anderen Sünder zu erretten, und im Namen des Heiligen Geistes, der das Band der Liebe Gottes ist, der alle Grenzen überwindet, alle Wunden heilt, der alle Tränen trocknet und alle Glaubenden zu der einen, heiligen, allumfassenden Kirche des Christus macht.

Und dann hat Philippus seine Aufgabe erfüllt. Er verschwindet geradezu vor den Augen des äthiopischen Ministers, des „Haremswächters“, der nun doch noch in Israel entdecken durfte, wo er Heimat findet, wo er angenommen ist, so wie er eben ist.

Und der zieht seine Straße „fröhlich“.

Was aus ihm geworden ist, wissen wir nicht. In Äthiopien erzält man sich, dass er als erster Mensch „aus den Völkern“, der also nicht Jude war, und trotzdem getauft wurde, zu hohen Ehren kam und die äthiopisch-orthodoxe Kirche begründete. Mag sein. Es ist eine Heiligenlegende, und wie viele dieser Geschichten hat sie vermutlich einen wahren Kern.

Die äthiopisch-orthodoxe Kirche ist jedenfalls die älteste noch existierende christliche Glaubensrichtung, die es weltweit gibt. Ihre dokumentierte Geschichte geht bis in das erste Jahrhundert nach Christus zurück. Aber auch an ihr gingen die dogmatischen Streitigkeiten der Kirchengeschichte und die politische Wirren zwischen Afrika, Asien und Europa nicht spurlos vorbei. Heute ist die äthiopisch-orthodoxe Kirche innerhalb der Ökumene umstritten, weil sie die ewige Göttlichkeit Christi ablehnt und darum das apostolische Glaubensbekenntnis nicht mitbeten kann.

Auch in der Kirche werden immer wieder Mauern und Grenzen errichtet. Doch gibt es Hoffnung. Immer wieder.

Denn immerhin – wenn es um die Taufe geht, ist sich inzwischen die Christenheit im Wesentlichen einig. Wer glaubt und getauft wird, der wird selig werden.

Unsere Gottesdienste im Mai 2018

Unsere Gottesdienste im Mai

Gottesdienst mit Abendmahl

Gottesdienst mit Abendmahl

Datum: 6. Mai 2018 11:00
Mitwirkende: Pfarrer Richard Horn

Gottesdienst am Himmelfahrtstag

Datum: 10. Mai 2018 11:00
Mitwirkende: Organist Aziz Lewandowski, Pfarrer Richard Horn

Abendgottesdienst

Datum: 12. Mai 2018 18:00
Mitwirkende: Aziz Lewandowsky, Richard Horn

 

Abendgottesdienst

Datum: 19. Mai 2018 18:00
Mitwirkende: Pfarrer Richard Horn

Andacht zur Pfingstsause

Datum: 20. Mai 2018 09:30
Mitwirkende: Organist Aziz Lewandowski, Pfarrer Richard Horn

Andacht zur Pfingstsause

Datum: 20. Mai 2018 11:00
Mitwirkende: Pfarrer Richard Horn

Unsere Gottesdienste im März 2018

Gottesdienst
Sonntag 4. März 2018, 09.30 Uhr
Dorfkirche Kiekebusch, Am Amtsgarten 1, 12529 Schönefeld
Organist Aziz Lewandowski, Pfarrer Richard Horn

Gottesdienst
Sonntag 4. März 2018, 11.00 Uhr
Dorfkirche Brusendorf, Kirchweg, 15749 Mittenwalde
Organist Aziz Lewandowski, Pfarrer Richard Horn


Gottesdienst
Sonntag 11. März 2018, 09.30 Uhr
Dorfkirche Groß Kienitz, Groß Kienitzer Dorfstraße 14, 15831 Blankenfelde-Mahlow
Organist Aziz Lewandowski, Pfarrer Richard Horn

Gottesdienst
Sonntag 11. März 2018, 11.00 Uhr
Dorfkirche Rotberg, Rotberger Dorfstraße, 12529 Schönefeld, Deutschland
Organist Aziz Lewandowski, Pfarrer Richard Horn


Bibelabend im Gemeindehaus Selchow – Bibelwoche zum „Hohelied Salomos“
Donnerstag 15. März 2018, 18.30 Uhr
Gemeindehaus Selchow, Glasower Straße 2, 12529 Schönefeld
Pfarrer Richard Horn


Gottesdienst zum Palmsonntag
Sonntag 25. März 2018, 09.30 Uhr
Dorfkirche Waßmannsdorf, Dorfstraße 42, 12529 Schönefeld
Organist Aziz Lewandowski, Pfarrer Richard Horn

Gottesdienst zum Palmsonntag
Sonntag 25. März 2018, 11.00 Uhr
Dorfkirche Selchow, Alte Selchower Straße 9, 12529 Schönefeld
Organist Aziz Lewandowski, Pfarrer Richard Horn


Gottesdienst am Gründonnerstag mit Abendmahlsfeier
Freitag 30. März 2018, 15.00 Uhr
Dorfkirche Brusendorf, Kirchweg, 15749 Mittenwalde
Organist Aziz Lewandowski, Pfarrer Richard Horn

Muss der Text des Vater Unsers geändert werden?

…und führe uns nicht in Versuchung!

Täglich beten Christen diese Zeile des Vater Unsers, doch nun ist sie ins „Gerede“ gekommen. Papst Franziskus hat vorgeschlagen, diese Worte zu ändern, denn sie transportierten ein falsches Gottesbild. „Es ist nicht Gott, der uns in Versuchung führt, sondern der Teufel.“ Darum sei die gewohnte Formulierung „keine gute Übersetzung“. Der Papst schlägt vor, stattdessen zu beten: „…und lass uns nicht in Versuchung geraten.“

Andere Vorschläge, die von katholischen Theologen gemacht wurden, lauten: „Führe uns in der Versuchung…“ oder „Führe uns durch die Versuchung hindurch…

Ist es denn wirklich Gott, der uns in Versuchung führt? Ist es der Vater selbst, der uns auf die Probe stellt? Oder ist es – wie Papst Franziskus sagt – der Teufel? Die Autoren der Bibel sind sich in dieser Frage nicht ganz einig: „Gott versucht niemanden, und er kann auch selbst nicht versucht werden.“ steht in dem neutestamentlichen Brief, der dem Apostel Jakobus zugeschrieben wird. Fast immer ist es also der Teufel, der Satan oder der „Versucher“, der die Menschen verführen will.

Gott lässt aber die Versuchung zu; vom ersten Buch der Bibel an, wo beschrieben wird, wie die Schlange Eva und Adam verführt, von der verbotenen Frucht zu essen, bis hin zu der Geschichte im Evangelium, in der Christus selbst von dem Teufel versucht wird, aus Steinen Brot zu machen und sich vom Dach des Tempels in Jerusalem zu stürzen, um unbezweifelbar zu beweisen, dass er wirklich Gottes Sohn ist – immer wieder werden Menschen auf die Probe gestellt und müssen ihre Treue zu Gott beweisen.

Eindrücklich und zugleich bedrückend ist wohl vor allem die Erzählung von der Versuchung Abrahams, der sich von Gott aufgefordert sah, seinen Sohn Isaak auf dem Berg Morijah als Brandopfer zu verbrennen. Tagelang ziehen Vater und Sohn auf dem Weg zu diesem Gebirge; Isaak hilft noch selbst bei der Vorbereitung des Ritualmordes mit, indem er das Feuerholz trägt; und erst im allerletzten Moment greift Gott in der Gestalt eines Engels ein und fällt Abraham in den Arm mit dem blitzenden Messer: „Nun sehe ich, dass Du Gott fürchtest, denn du hast mir deinen Sohn, deinen einzigen, nicht vorenthalten…

Vielleicht beginnt die Frage nach dem Sinn dieser Bitte im Vater-unser-Gebet tatsächlich mit der Frage nach der richtigen Übersetzung: Das hebräische Wort, das Luther hier mit Versuchung übersetzt, lautet „nasā“ und ist eigentlich ein Begriff aus der Rechtssprache. Es hat die ursprüngliche Bedeutung von: jemanden zu einem Rechtsstreit herausfordern, jemanden vor ein Gerichtsverfahren ziehen und ganz allgemein auch: Jemanden einer Prüfung unterziehen.

In diese Richtung geht auch die Bedeutung des griechischen Wortes „peirasmos“, wie es im Vaterunser verwendet wird. Es kann sowohl prüfen als auch versuchen (im Sinne von: Zur Sünde verführen) heißen.

Es scheint also den biblischen Autoren nicht zuerst darum zu gehen, Gott als Verführer darzustellen, der nur zu gern seine Geschöpfe bei einem Fehler auf frischer Tat ertappen möchte. Natürlich sind die Texte nicht ganz eindeutig, widersprechen sich wohl auch, je nach der ihnen zugrunde liegenden Theologie. Trotzdem: Gott will nicht Menschen zum Bösen verführen. Es geht auch fast immer nicht um einer Art „Treuetest“, wie sie eine Zeit lang in den Fernseh-Realityshows am Nachmittag zu sehen waren, wo Männer in Cafés oder Kneipen von einem „Lockvogel“ verführt wurden, Handynummern auszutauschen oder flüchtige Küsse zu wechseln.

Warum stellt dann aber Gott den Baum mit der verbotenen Frucht in die Mitte des paradiesischen Gartens? Warum lässt er zu, dass Abraham seinen Sohn fesselt und auf den Altar mit dem Feuerholz legt, das Messer in der zitternden Hand? Warum muss sogar Jesus selbst am Tag vor seiner Kreuzigung Blut und Wasser schwitzen im Garten Gethsemane?

Vielleicht werden diese Versuchungsgeschichten in der Bibel als Warnung und Mahnung erzählt, nicht die Anfälligkeit der menschlichen Natur zu vergessen und ihre Neigung, sich so furchtbar leicht verführen zu lassen zu Handlungen, die nicht wirklich der eigenen moralischen Haltung entsprechen. Vielleicht geht es darum, sich in die Menschen, von denen dort berichtet wird, hineinzuversetzen und sich zu fragen: Was hättest du getan?

In vielen Gebeten und Liedtexten der Kirche wird auf die Schwachheit des menschlichen Charakters hingewiesen, zusammen mit der Mahnung, sich nicht leichtfertig selbst in Situationen zu bringen, in denen die eigene Integrität auf die Probe gestellt wird: „Seid nüchtern, seid wachsam! Euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen kann. Widersteht ihm, bleibt fest im Glauben!

„Du kannst nicht verhindern, dass die Vögel über dein Dach fliegen; du kannst aber sehr wohl etwas dagegen tun, dass sie Nester auf Deinem Schornstein bauen.“ lautet eine populäre Metapher, mit der diese Mahnung einprägsam formuliert wurde. Und geradezu klassisch ist auch der Sinnspruch, der angeblich aus dem jüdischen Talmud stammen soll: „Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte. / Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen. / Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten. / Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter. / Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.“

So gesehen ist es nicht Gott, der uns in Versuchung führt; es ist aber auch nicht der Teufel, es sind vielmehr die Menschen selbst, die sich in Situationen bringen und bringen lassen, in denen Glaubensstärke und Treue gefragt sind.

Wo ich mir so meiner eigenen Schwachheit bewusst werde, kann ich wohl aus vollem Herzen beten: „…führe mich nicht in Versuchung!“

Der amerikanische Schriftsteller Mark Twain beschreibt in seiner humorvollen Kurzgeschichte „Der Mann, der Hadleyburg verdarb“, wie verführerisch eine Versuchung sein kann: Ein Mann kündigt an, einem der Bewohner der Kleinstadt eine beträchtliche Geldsumme zu vererben – wenn derjenige beweisen kann, dass er eben diesem Mann vor vielen Jahren aus einer Not geholfen hat. Zu diesem Zweck schreibt er einen Satz auf ein Blatt, das in einem Umschlag verschlossen ist. Er hinterlegt diesen Brief beim Bürgermeister der Stadt und reist wieder ab. Mit vielfältigen, gut ausgedachten Tricks und Finten versucht nun ein Bewohner nach dem anderen herauszufinden, wie das wertvolle Passwort lautet, um das Geld zu bekommen… und am Schluss steht die ganze Bevölkerung Hadleyburgs ziemlich blamiert da.

Ich kann der Versuchung nicht immer ausweichen. Sie gehört ebenso zur menschlichen Natur wie zum Wesen der Welt. In einem gewissen Sinn wird die Welt ja auch erst durch die Möglichkeit, Fehler zu machen oder Umwege zu gehen, interessant. Prüfungen und Widerstände stärken den Charakter; und wenn es nicht geradezu in ein Leben am Rande des Abgrunds ausartet, macht es auch Spaß, die eigenen Grenzen auszutesten und zu erforschen. Jugendliche wehren sich ja genau aus diesem Grund gegen die moralisierenden Regeln ihrer Eltern und Großeltern, weil sie ihre eigenen Fehler machen müssen und selbst sehen müssen, dass sowas von sowas kommt.

Aber ich kann darum beten, in der Versuchung nicht zu fallen und den Weg völlig zu verlieren. So wie Kinder gern auf Mauern balancieren, um ihre Schwindelfreiheit zu testen, und dabei sich doch auf die Hand ihrer Eltern verlassen, die sie im Notfall auffängt, so vertraue ich doch auf die Nähe Gottes, gerade, wenn ich mich wieder einmal dem „brüllenden Löwen“ stellen möchte.

Muss also nun das Vater unser geändert werden? Ich denke nicht. Ich werde weiter so beten wie gewohnt.

Aber ich bin dem Papst dankbar für die Anregung und den frischen Wind, den er mit seiner Frage in den europäischen Blätterwald gepustet hat: Lange schon ist nicht mehr so viel und von so vielen über das wichtigste Gebet der Christenheit nachgedacht und diskutiert worden – selbst von Christinnen und Christen nicht. Und wenn wir uns nun ein bisschen mehr darüber klar geworden sind, was wir da eigentlich beten – dann hatte die ganze Aufregung einen guten Sinn.

Schwerter zu Pflugscharen

Gott spricht Recht im Streit der Völker,
er weist viele Nationen zurecht.
Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern
und Winzermesser aus ihren Lanzen.
Jesaja 2,4 (Einheitsübersetzung)

Mehr als fünfunddreißig Jahre ist es her, dass in Zusammenhang mit einem Gottesdienst am Buß- und Bettag, zu dem der sächsische Landesjugendpfarrer Harald Bretschneider einlud, ein Lesezeichen aus Stoff verteilt wurde, auf dem die Losung abgedruckt war, die später zum Wahlspruch der Friedensbewegung in der Deutschen Demokratischen Republik wurde: „Schwerter zu Pflugscharen.“

In der Zeit, in der nach dem zweiten Weltkrieg in den Jahren des „eisernen Vorhangs“ viele junge Männer den Dienst an der Waffe antreten mussten, war für viele Christen in Ost und West dies ein Symbol der Hoffnung: Kriegsgeräte und Waffen werden nicht mehr nötig sein, wenn es Frieden zwischen den Völkern gibt.

In den vergangenen fünfunddreißig Jahren ist eine neue Generation herangewachsen, die die DDR nicht mehr aus eigener Anschauung kennt, die sich aber angesichts der aktuellen weltpolitischen Lage mehr als die West-Deutschen damals – zum Teil auch aus persönlicher Betroffenheit heraus – mit der Frage nach dem Verhältnis von Krieg und Frieden auseinandersetzen muss.

„Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein.“ Dieses Leitwort hat der Ökumenische Rat der Kirchen unter dem Eindruck der Gräuel des Zweiten Weltkrieges schon 1948 bei seiner Gründung in Amsterdam verkündet. „Frieden schaffen ohne Waffen!“ war der Slogan, der in den achtziger Jahren auf Demonstrationen gerufen wurde, bei denen sich Bürger gegen die Aufstellung von atomaren Mittelstreckenraketen in Deutschland wehrten.

Nicht immer ist die Wirklichkeit so einfach zu beschreiben, wie überzeugte Pazifisten sie gerne sehen. Es gibt gute Gründe, die dazu führen, dass auch Christen heute als Soldat in Kriegsgebiete dieser Welt ziehen, um dort mit der Waffe für Gerechtigkeit und Menschenrechte einzutreten – und es gibt gute Gründe, warum andere Menschen aus christlich geprägtem Gewissen heraus gerade diesen Dienst verweigern.

Doch muss man die Wirklichkeit immer im Blick behalten und die Dinge beim Namen nennen: Krieg ist Sünde. Der Rat der EKD hat 2003 in einer Denkschrift veröffentlicht: Jeder Krieg ist ein so großes Übel, dass der Einsatz militärischer Gewalt von der Politik nur im äußersten Notfall erwogen werden darf und auch dann noch unentrinnbar mit Schuld verbunden bleibt. Jeder Krieg bringt Elend über viele Unschuldige und erreicht oft nicht einmal die Ziele, um deretwillen er geführt wird.

Es gibt Situationen, in denen jede Entscheidung, die man trifft, einen Menschen und auch einen Staat mit Schuld belastet. Der einzige Trost, der uns dann bleibt, ist zu wissen, dass Gott uns, die wir in den sündhaften Strukturen und Sachzwängen dieser Welt behaftet sind, nicht die Tür vor der Nase zuschlagen wird. Sein Gericht ist gerecht, denn er wird alles recht machen.

Unsere Gottesdienste im Februar 2018

Monatsspruch Februar
Es ist das Wort ganz nahe bei dir,
in deinem Munde und in deinem Herzen,
dass du es tust.

5. Buch Mose, Kapitel 30, Vers 14

Gottesdienst Sexagesimae
Sonntag 4. Februar 2018, 09.30 Uhr
Dorfkirche Kiekebusch, Am Amtsgarten 1, 12529 Schönefeld
Organist Aziz Lewandowski, Pfarrer Richard Horn

Gottesdienst Sexagesimae
Sonntag 4. Februar 2018, 11.00 Uhr
Dorfkirche Brusendorf, Kirchweg, 15749 Mittenwalde
Organist Aziz Lewandowski, Pfarrer Richard Horn

Gottesdienst Estomihi
Sonntag 11. Februar 2018, 09.30 Uhr
Dorfkirche Groß Kienitz, Groß Kienitzer Dorfstraße 14, 15831 Blankenfelde-Mahlow
Organist Aziz Lewandowski, Pfarrer Richard Horn

Gottesdienst Estomihui
Sonntag 11. Februar 2018, 11.00 Uhr
Dorfkirche Rotberg, Rotberger Dorfstraße, 12529 Schönefeld
Organist Aziz Lewandowski, Pfarrer Richard Horn

Gottesdienst Invokavit
Sonntag 25. Februar 2018, 09.30 Uhr
Dorfkirche Waßmannsdorf, Dorfstraße 42, 12529 Schönefeld
Pfarrer Richard Horn

Gottesdienst Invokavit
Sonntag 25. Februar 2018, 11.00 Uhr
Dorfkirche Selchow, Alte Selchower Straße 9, 12529 Schönefeld
Pfarrer Richard Horn

Raus mit dem Baum!

Am zweiten Feiertag gibt’s Reste. Die Geschenke sind ausgepackt, der Papiermüll entsorgt, die Gans ist gegessen. Bei manchen Zeitgenossen fliegt schon morgen der Weihnachtsbaum aus der Wohnung, damit man Platz hat — Ja, wofür? Was bleibt vom Fest?

Eigentlich ist das Christfest der Mittelpunkt eines vierzehn Wochen langen Festkreises. So, wie vor Ostern sieben Wochen lang gefastet und dann – zumindest theoretisch – sieben Wochen lang die österliche Freudenzeit gefeiert wird, so beginnt auch sieben Wochen vor Weihnachten die Adventszeit, und nach dem Christfest ist vierzig Tage lang eine weihnachtliche Freudenzeit, bis zum Fest „Mariae Lichtmess“ am 2. Februar, von dem allerdings in der evangelischen Kirche kaum noch jemand etwas weiß.

Trotzdem haben viele Menschen schon am Zweiten Feiertag das Gefühl, dass das Fest vorbei ist. Die Verwandten, die zu Weihnachten angereist sind, packen ihre Koffer und machen sich auf dem Weg zum Bahnhof, in der Wohnung wird aufgeräumt, man schickt die Kinder ins Kino, damit man mal Ruhe hat und die Beine hochlegen kann — und dann ist sie da wieder, diese bleischwere Müdigkeit, die Traurigkeit, der Zweifel… Es war ein schönes Fest; wenn es gut ging, haben wir die vergangenen Tage genossen; aber nun ist es, als ob gar nichts gewesen ist…

War Weihnachten so gemeint?

Was ist mit dem Glanz über der Krippe, dem Jubel der Engel, den redlichen Hirten, die anbetend die Knie beugten? Was ist mit den drei Weisen aus dem Morgenland, die Gold, Weihrauch und Myrrhe brachten?

Nein, Halt! Die kommen ja erst noch!

Was bleibt vom Weihnachtsfest? Es kommt – auch – auf uns selbst an. Wenn wir die Gedanken an den Mensch gewordenen Gott mit dem Tannenbaum aus dem Haus werfen, bleibt nicht viel mehr als Leere zurück…

„Die Hirten kehrten wieder um und erzählten voller Freude, was sie gesehen und gehört hatten.“ heißt es am Ende der Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium, „Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen…“

Bewegt es in Euren Herzen, dass Gott Mensch geworden ist in dieser Welt. Mit der Kraft dieses Glaubens können wir vielleicht ein Stück dazu beitragen, dass es hier in dieser Welt menschlicher zugeht…

Unsere Gottesdienste im Januar 2018

Gottesdienst
Sonntag 14. Januar 2018, 09.30 Uhr
Dorfkirche Kiekebusch, Am Amtsgarten 1, 12529 Schönefeld
Organist Aziz Lewandowski, Pfarrer Richard Horn

Gottesdienst
Sonntag 14. Januar 2018, 11.00 Uhr
Dorfkirche Brusendorf, Kirchweg, 15749 Mittenwalde
Organist Aziz Lewandowski, Pfarrer Richard Horn

Gottesdienst
Sonntag 21. Januar 2018, 09.30 Uhr
Dorfkirche Groß Kienitz, Groß Kienitzer Dorfstraße 14, 15831 Blankenfelde-Mahlow
Organist Aziz Lewandowski, Pfarrer Richard Horn

Gottesdienst
Sonntag 21. Januar 2018, 11.00 Uhr
Dorfkirche Rotberg, Rotberger Dorfstraße, 12529 Schönefeld
Organist Aziz Lewandowski, Pfarrer Richard Horn

Gottesdienst
Sonntag 28. Januar 2018, 09.30 Uhr
Dorfkirche Waßmannsdorf, Dorfstraße 42, 12529 Schönefeld
Organist Aziz Lewandowski, Pfarrer Richard Horn

Gottesdienst
Sonntag 28. Januar 2018, 11.00 Uhr
Dorfkirche Selchow, Alte Selchower Straße 9, 12529 Schönefeld
Organist Aziz Lewandowski, Pfarrer Richard Horn

Zwischen den Jahren…

Manche Leute nennen die Woche um den Silvestertag herum die Zeit “zwischen den Jahren…” In so einer Zwischenzeit fühle ich mich gerade jetzt auch. Als Pfarrer bin ich es gewohnt, mit dem Kirchenjahr zu leben. Weihnachten, Ostern, Pfingsten, Erntedank – diese Daten sind für mich wichtig; sie geben meinem Denken und Fühlen Struktur. Am letzten Sonntag ging mit dem Ewigkeitssonntag das Kirchenjahr zu Ende, und am nächsten Sonntag wird mit dem Ersten Advent ein Neues beginnen.

Ich empfinde den Jahreskreis aber nicht als einen geschlossenen Zirkel. Ich stelle mir ihn eher so wie diesen mit dem Pinsel gemalten Kreis aus der Zen-Mythologie. Einen geschlossenen Kreis gibt es im Zen nicht, denn er wäre das Bild der Vollkommenheit, die in dieser Welt nicht erreichbar ist. Darum lassen die Tusch-Künstler, die diese Bilder für die Meditation malen, ihre Kreise immer an einer Stelle geöffnet, eine bewusste Form der Unvollkommenheit, die diese Kreise zu einem Teil der irdischen und endlichen Welt macht – sie sind Symbol der Ewigkeit, aber nicht die Ewigkeit selbst.

Diese winzige “offene Stelle” im Kreis sprüht aber nach meinem Empfinden geradezu von geistlicher und spiritueller Energie; und ebenso ist auch diese “offene Woche” am Ende des Kirchenjahres eine unerschöpflich inspirierende Quelle von Gedanken und Gebeten…

Am Ewigkeitssonntag wurde in den Gottesdiensten darüber nachgedacht, dass wir endliche Menschen sind und immer wieder an ein solches Ende kommen – das Ende eines Jahres ist erreicht, das Ende eines Lebens steht dem denkenden und glaubenden Menschen immer vor Augen. Irgendwann werden auch diese Erde und ihre Sonne vergehen und vielleicht wird eines unendlich fernen Tages einmal auch das Universum enden. Nichts bleibt für die Ewigkeit.

Als Christen gehen wir auf dieses Ende aber nicht ohne Hoffnung zu. Denn Gott hat uns das Versprechen gegeben: “Ich lebe – und auch ihr werdet leben!” Für uns ist das Ende der Zeit und das Ende der Welt nicht das Ende unseres Daseins, sondern der Beginn eines neuen Seins in der Gegenwart Gottes.

Das Ende des Jahreskreises ist wie ein Sprungplatz unserer Hoffnung, der Ort, von dem unsere Gedanken sich in den Himmel schwingen. Wir singen Lieder wie “Jerusalem, du hochgebaute Stadt, ich wollt’, ich wär in dir…” und beten zu Christus, dem König der Ehren, der wiederkommen wird, zu richten und zu heilen die Lebenden und die Toten.

Am Ersten Advent beginnen wir aufs Neue, die Geschichte von Jesus Christus zu erzählen, sie in Gottesdiensten und Festen nach zu empfinden und sie so zu vergegenwärtigen. Was einmal war, wird wieder sein, und was vergangen ist, wird wieder lebendig… Der Stern geht auf in der Mitte der Nacht und zeigt den Weisen den Weg hin zur Krippe, wo sich das Wunder ereignet, dass Gott Mensch wird, das Wort Fleisch, das Ewige und Unfassbare sich klein macht hinein in unsere Welt.

Welchen Ärger dieser Glaube an den Mensch gewordenen Gott in den Menschen damals hervor rufen musste, können wir uns heute kaum noch vorstellen: Gott war für die Menschen in der klassischen Zeit der Inbegriff der Reinheit und der Schönheit, unveränderlich und entrückt in himmlischen Sphären, unerreichbar für das unberechenbare Chaos und den Staub und den Schmutz dieser Welt. Aber Christen bekennen genau das: Gott hat sich in diese Welt hineingeboren, sich schwach und verletzlich gemacht und so gezeigt, dass seine Liebe alle Grenzen überwindet, auch diese letzte, kategorische, existenzielle, kosmoszersprengende Grenze zwischen Mensch und Gott. Er, den Himmel und Erde nicht fassen können, kam in diese Welt. – Das ist für mich eine Art “Gegen-Unendlichkeit”, ein Infinitesimal, eine Singularität, eine undefinierbare Extremstelle im stetigen Fluss der Zeit.

Wie der Ewigkeitssonntag ein Sprungbrett meiner Hoffnung ist, ist der Erste Advent der Tag, an dem meine Hoffnung wieder zur Welt kommt, zurück auf die Erde, in unsere Stadt, mein Haus, mein Herz. Nicht weltfremd und abgehoben, sondern bodenständig und praktisch muss Glauben, Hoffen und Lieben sein. Nicht auf Engel und nicht auf die Sterne will ich meinen Blick richten, sondern auf die Menschen, die ich liebe – und auch auf die Menschen, die für meine Geduld immer wieder eine Herausforderung sind.

Möge Gott dieses neue Jahr segnen – für mich und für uns alle.