Schwerter zu Pflugscharen

Gott spricht Recht im Streit der Völker,
er weist viele Nationen zurecht.
Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern
und Winzermesser aus ihren Lanzen.
Jesaja 2,4 (Einheitsübersetzung)

Mehr als fünfunddreißig Jahre ist es her, dass in Zusammenhang mit einem Gottesdienst am Buß- und Bettag, zu dem der sächsische Landesjugendpfarrer Harald Bretschneider einlud, ein Lesezeichen aus Stoff verteilt wurde, auf dem die Losung abgedruckt war, die später zum Wahlspruch der Friedensbewegung in der Deutschen Demokratischen Republik wurde: „Schwerter zu Pflugscharen.“

In der Zeit, in der nach dem zweiten Weltkrieg in den Jahren des „eisernen Vorhangs“ viele junge Männer den Dienst an der Waffe antreten mussten, war für viele Christen in Ost und West dies ein Symbol der Hoffnung: Kriegsgeräte und Waffen werden nicht mehr nötig sein, wenn es Frieden zwischen den Völkern gibt.

In den vergangenen fünfunddreißig Jahren ist eine neue Generation herangewachsen, die die DDR nicht mehr aus eigener Anschauung kennt, die sich aber angesichts der aktuellen weltpolitischen Lage mehr als die West-Deutschen damals – zum Teil auch aus persönlicher Betroffenheit heraus – mit der Frage nach dem Verhältnis von Krieg und Frieden auseinandersetzen muss.

„Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein.“ Dieses Leitwort hat der Ökumenische Rat der Kirchen unter dem Eindruck der Gräuel des Zweiten Weltkrieges schon 1948 bei seiner Gründung in Amsterdam verkündet. „Frieden schaffen ohne Waffen!“ war der Slogan, der in den achtziger Jahren auf Demonstrationen gerufen wurde, bei denen sich Bürger gegen die Aufstellung von atomaren Mittelstreckenraketen in Deutschland wehrten.

Nicht immer ist die Wirklichkeit so einfach zu beschreiben, wie überzeugte Pazifisten sie gerne sehen. Es gibt gute Gründe, die dazu führen, dass auch Christen heute als Soldat in Kriegsgebiete dieser Welt ziehen, um dort mit der Waffe für Gerechtigkeit und Menschenrechte einzutreten – und es gibt gute Gründe, warum andere Menschen aus christlich geprägtem Gewissen heraus gerade diesen Dienst verweigern.

Doch muss man die Wirklichkeit immer im Blick behalten und die Dinge beim Namen nennen: Krieg ist Sünde. Der Rat der EKD hat 2003 in einer Denkschrift veröffentlicht: Jeder Krieg ist ein so großes Übel, dass der Einsatz militärischer Gewalt von der Politik nur im äußersten Notfall erwogen werden darf und auch dann noch unentrinnbar mit Schuld verbunden bleibt. Jeder Krieg bringt Elend über viele Unschuldige und erreicht oft nicht einmal die Ziele, um deretwillen er geführt wird.

Es gibt Situationen, in denen jede Entscheidung, die man trifft, einen Menschen und auch einen Staat mit Schuld belastet. Der einzige Trost, der uns dann bleibt, ist zu wissen, dass Gott uns, die wir in den sündhaften Strukturen und Sachzwängen dieser Welt behaftet sind, nicht die Tür vor der Nase zuschlagen wird. Sein Gericht ist gerecht, denn er wird alles recht machen.

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